Beste! Unterhaltung

Die musikalischen Wunderwelten einer finnischen Wirtschaftswissenschaftlerin

Ist es eine marktschreierische Anmaßung oder ein kühn formulierter Anspruch, einem Musiklabel den Namen "Beste! Unterhaltung" (noch dazu mit einem Ausrufezeichen...) zu verpassen?!
Das in der fränkischen Provinz beheimatete Label hat die nordische Musik im Fokus. Wer in diesem Kontext mit Skandinavien nur Abba oder Björk assoziiert, kann sich durch die CD-Veröffentlichungen von "Beste! Unterhaltung" Nachhilfeunterricht zur Erweiterung des musikalischen Horizonts geben lassen.
Die 28-jährige Sängerin und Songwriterin Laura Moisio verbreitet auf ihrem zweiten Album "Ikuinen Valo" (Ewiges Licht) eine wunderbar verträumte Stimmung. Erzählt bzw. besungen werden wunderliche kleine Alltagsgeschichten in goldbraunen Sepiatönen. Die junge Frau aus dem finnischen Tampere schafft es, dass man ihrer hellen, doch nuancierten Stimme wie verzaubert lauscht, auch wenn der "normale" Mitteleuropäer kein Wort verstehen dürfte, denn Laura Moisio singt ausschließlich auf Finnisch.
Die Instrumentierung ist meist sehr dezent im Hintergrund gehalten, die Stimme der Künstlerin setzt die markanten Akzente. Nichtsdestotrotz sorgen Trompete bzw. Posaune, Piano oder Akustikgitarre für die passende Begleitmusik.
Wenngleich Finnland und Frankreich weder sprachlich noch geographisch als benachbart gelten dürfen, so mag die Assoziation von Laura Moisio mit der Musik zu dem französischen Kultfilm "Die wunderbare Welt der Amelie" nicht an den Haaren herbeigezogen sein. Doch wenn sich Laura und Amelie zusammen an ein Klavier setzen würden, würde Amelie die weißen und Laura die schwarzen Tasten präferieren.
Bleibt zu hoffen, dass die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin Laura Moisio auch zukünftig den musikalischen Wunderwelten den Vorzug vor den trockenen Zahlenwelten geben wird.


Laura Moisio: Ikuinen Valo
Beste! Unterhaltung, 2015

Musik über den allzu kurzen Sommer auf Island

Welche Assoziationen werden in mitteleuropäischen Köpfen geweckt, wenn sie mit dem nordeuropäischen Inselstaat Island konfrontiert werden? Der Fast-Bankrott des Staates im Gefolge der sog. Banken-Krise? Die raue Natur mit sehenswerten Schauspielen (Geysire ...) oder mit für den Luftverkehr fatalen Folgen (Vulkanasche)?
Sportlich Interessierte können in die Waagschale werfen, dass die in der Mittelmäßigkeit abgestürzte deutsche Handball-Nationalmannschaft neuerdings von einem Isländer trainiert wird; währenddessen konnte die isländische Fußballelf - im Gegensatz zum Team von Joachim Löw - erfolgreich in die Qualifikation zur Fußball-Europameisterschaft 2016 starten.
Ein Schwenk zur isländischen Musikszene dürfte allerdings ahnungsloses Stirnrunzeln hervorrufen.
Sicher, Björk kann als internationale Popgröße bezeichnet werden - aber wie sieht es mit aktuellen Künstlern aus?
Das Label "Beste! Unterhaltung" ist auf seiner musikalischen Schatzsuche in Nordeuropa erneut fündig geworden.
Ylja ist eine bereits 2008 von den beiden Gitarristinnen und Sängerinnen Gigja Skjalardóttir und Bjartey Sveinsdóttir gegründete Akustik-Folkpop-Band. Ihre erste CD veröffentlichten sie dann 2012 - und dieses Debütalbum erscheint nun, mit zweijähriger Verspätung, in Deutschland.
Ylja erfinden den gitarrenorientierten Folkpop nicht neu. Aber die Lieder sind durchaus eine Bereicherung für Freunde akustischer Musik.
Die elfenhaften Töne sind professionell aufgenommen und erinnern an manche irische Volksweisen.
Die isländische Sprache - die Band singt rein auf Isländisch - offenbart einen zusätzlichen Reiz, wenngleich das Textverständnis dadurch natürlich erschwert wird.
Im Lied "Saevindur Hafsson" geht es um einen Fischer und dessen dramatische Erlebnisse auf See und in "Á Rauðum" über den gar allzu kurzen Sommer auf Island.
"Oður til móður" ist eine Ode an die Mütter der beiden Sängerinnen.
Mit personeller Verstärkung und Veränderung (eine Bassistin und Drummer kamen hinzu, der Gitarrist wurde ersetzt) arbeiten Ylja daran, bis zum Jahresende 2014 das zweite Album aufzunehmen.
Es bleibt abzuwarten, ob die Atlantikinsel künftig mit dieser Folkpop-Band assoziiert wird.


Ylja: Ylja
Beste! Unterhaltung, 2014